Virgo 4 - technisches Lexikon
Auf dieser Seite werden wir Ihnen technische Virgo- und Windows-Begriffe erläutern, auf die Sie evtl. stoßen werden, wenn Sie sich mit Windows und/oder virgo 4 befassen.
- screen drawing data pump (sddp)
- Diese Komponente ermöglicht Virgo, die Bildschirmoperationen zu beobachten. Sddp greift dabei auf der Ebene des Grafiktreibers indas System ein. Es fängt quasi die Informationen am Grafiktreiber ab und speichert sie in Form definierter Datensätze, den Records ab. Sddp arbeitet als sogenannter Chain-Treiber. D. h. es klinkt sich so in das System ein, dass das Betriebssystem meint, Sddp selbst sei der Grafiktreiber. Dieser Mechanismus hat zur Folge, dass Sddp immer nach dem jeweiligen Grafiktreiber installiert werden muss. Wird nach der Installation von Sddp erneut ein Grafiktreiber installiert, weil beispielsweise eine neue Grafikkarte in den Rechner eingebaut wurde, so geht die Chain, zu deutsch "Verkettung", verloren. Sddp muss also nachinstalliert werden, was jedoch völlig selbstständig passiert, da der "Watchdog" die neuen Treiber beim Neustart erkennt und SDDP dann auch neu installiert.
- screen element data base (sed)
- Sed bildet eine dynamische Datenbank mit Informationen zu den Bildschirmobjekten wie Bitmaps, Textzeichen oder Brushes. Die Informationen enthalten jedoch keinen kontextuellen Bezug zueinander. Das SED wird auch als "Offscreen-Modell" bezeichnet.
- meaningful object model (mom)
- Mom stellt ebenfalls eine dynamische Datenbank allerdings mit kontextuellen Informationen zur Verfügung. Es stellt zu den Objekten auch Eigenschaften und Methoden bereit und ist daher mit MSAA vergleichbar. MOM stellt z. B. die Information über die Windowselemente wie Kontrollfelder, Eingabefelder, Befehlsschalter usw. zur Verfügung.
- speech application programming interface (sapi)
- Sapi ist eine Schnittstelle zum Ansteuern von Sprachausgaben. Durch die Verwendung einer "genormten" Schnittstelle ist es Virgo egal, welche Sprachausgabe verwendet wird. Es lässt sich prinzipiell jede Sprachausgabe einsetzen, für die ein Sapi-Treiber existiert.
Eine SAPI-Sprachausgabe enthält als Grundbaustein die sogenannte "Engine". Die Engine kann als der eigentliche Sprachsynthesizer angesehen werden. In der Engine findet die Umsetzung von Text nach Sprache abgekürzt "TTS" für "Text to Speech" statt. Die Engine liefert als Ausgabe eine oder mehrere Modes. Eine "Mode" ist sozusagen eine ganz bestimmte Grundstimme. Eine Mode ist parametrisierbar, d. h. sie lässt sich in ihren Eigenschaften wie Tonhöhe, Betonung, Stimmhaftigkeit und anderen Parametern varieren. Aus einer Mode wird schließlich die "Voice" abgeleitet. Eine Voice ist also eine auf den persönlichen Geschmack eingestellte Mode.
SAPI unterstützt den Parallelbetrieb mehrerer Sprachen. So kann man beispielsweise drei Sprachausgaben installieren, weil einem die Engine der ersten in deutsch gut gefällt, die zweite besonders gut amerikanisches Englisch und die dritte hervorragend französisch spricht. Zwei davon sind vielleicht als Software und die dritte als Hardwaresynthesizer an einer seriellen Schnittstelle realisiert. Demzufolge hat man mindestens drei Engines. Aus denen lassen sich mehrere Modes und aus den Modes mehrere Voices ableiten.
> Virgo erlaubt es, unterschiedlichen Situationen verschiedene Voices zuzuordnen. Dadurch kann man sich sein Stimmenorchester ganz individuell zusammenstellen.
- MicroSoft Active Accessibility (MSAA)
- Der erste Schritt eines Microsoft-eigenen Zugangsmodells war MSAA, "MicroSoft Active accessibility". MSAA ist eine Technik, bei der der Screenreader durch das Anwendungsprogramm unterstützt werden muss, um ein optimales Zusammenspiel zu gewährleisten. MSAA arbeitet nach dem Client/Server-Prinzip. Virgo ist der Client. Er fordert bei Bedarf Informationen vom Server an. Der Server ist das jeweilige Anwendungsprogramm. Es stellt Virgo die gewünschten Informationen über seinen Bildschirm zur Verfügung. Virgo und Anwendungsprogramm kommunizieren dabei über eine "IAccessible" genannte Schnittstelle miteinander. MSAA stellt die Elemente einer Benutzerschnittstelle z. B. einer Textverarbeitung in Form von Com-Objekten dar. Diese Objekte enthalten sogenannte "Eigenschaften", mit denen der Name des Objektes, seine Bildschirmposition und andere von Virgo benötigte Informationen beschrieben werden.
Ferner enthalten die Objekte bestimmte Funktionen, sogenannte "Methoden". Ein Client, also Virgo, kann diese Methoden aufrufen, um das Objekt dazu zu "bewegen", etwas ganz bestimmtes zu tun. Benutzerschnittstellen, die bereits im Betriebssystem vorhanden sind, werden dabei von MSAA selbst bereitgestellt. Dazu gehören Elemente wie Menüs, Bildlaufleisten und die Elemente von Dialogboxen. Anwendungen, die diese Schnittstellen verwenden, sind daher auch ohne eigene IAccessible-Schnittstelle zugänglich. Ein Server braucht MSAA nur dann selbst zu unterstützen, wenn er eigene Benutzerschnittstellen verwendet.
So schön dieses Konzept auch klingen mag, es hat gravierende Nachteile. Ein Anwendungsprogramm muss speziell mit MSAA-Unterstützung entwickelt werden. Bei Programmen, die gerade im Entstehen sind, ist dieser Umstand kein größeres Problem. Aber alle alten Programme profitieren kaum von MSAA.
- grafical user interface (Gui)
- In einer grafischen Benutzungsumgebung oder englisch "Gui" für "grafical user interface" werden die Bildschirminformationen an bestimmten Stellen des Betriebssystems, den sogenannten "Hooks" zu deutsch "Haken", "abgefangen" und sprachausgaben- und braillezeilengerecht aufbereitet. Virgo erstellt eine Datenbank mit allen Bildschirminformationen. Diese Datenbank wird gemeinhin als "Offscreen-Modell" bezeichnet. Bildschirminformationen sind z. B. die angezeigten Objekte wie Buchstaben, Bitmaps etc und alle zugehörigen Eigenschaften wie Objekttyp, Schriftfont, Schriftgröße, Schriftschnitt, Forder- und Hintergrundfarbe, Pixelposition, Fokusposition und weitere Angaben.






