Virgo 4 - im Blinden-Zentrum Tibet
Im Frühjar 2003 besuchten Frau Sabriye Tenberken und Paul Kronenberg die Firma BAUM ReTEC AG, um sich in Virgo 4 einweisen zu lassen, so dass die Kinder im "Blinden-Zentrum Tibet" künftig Ihre Windows-Erfahrungen mit Hilfe von Virgo 4 sammeln können.
Das von Herrn Ender geführte Interview (3,5 MB, 20,5 Minuten)steht für Sie zum Download bereit.
Das Projekt "Blinden-Zentrum Tibet" ist durch die Initiative der damaligen Tibetologie-Studentin Sabriye Tenberken aus Bonn entstanden. Sabriye Tenberken ist selbst blind und hat zum Studium der tibetischen Texte eine tibetische Blindenschrift auf der Basis des Braille-Schrift-Systems einerseits und der tibetischen Silbenschrift andererseits entwickelt. Diese Blindenschrift wurde von einem tibetischen Gelehrten geprüft und für einsichtig, einfach und schnell erlernbar befunden.
Da die tibetische Sprache bisher über keine eigene BRaille-Schrift verfügte, machte er den Vorschlag, die BRaille-Schrift von Sabriye Tenberken tibetischen Blinden zu Gute kommen zu lassen.
Im Sommer 1997 reiste sie daraufhin durch die Autonome Region Tibet, um vor Ort die Möglichkeit zu erkunden, blinden Tibetern eine Ausbildung zu geben. Blinde und Sehgeschädigte hatten bisher in der Autonomen Region keinen Zugang zu Schulen oder Ausbildungsstätten. Viele leben in Hütten, isoliert von der Gesellschaft und werden von Familienmitgliedern oder Nachbarn ernährt. Einige der blinden Kinder werden im frühen Alter ausgesetzt und gezwungen auf den Straßen der Städte um Geld und Lebensmittel zu betteln.
Nach neusten Statistiken gibt es in der Autonomen Region bei 2,4 Millionen Einwohnern 30.000 bis 40.000 Blinde, viele davon sind Kinder im schulfähigen Alter. Sehschädigungen und Blindheit sind sowohl durch mangelhafte Ernährung als auch durch extremes Klima bedingt. Ursachen sind zum einen das Fehlen von Vitamin A in der Nahrung, zum anderen Ruß in den Häusern, der durch Kohle- und Yackdung-Beheizung entsteht. Die wichtigsten Gründe sind aber Wind, Staub und vor allem die sehr starke UV-Strahlung. Hinzu kommt der Mangel an adäquater Hygiene und medizinischer Versorgung.
Die häufigste Erkrankung ist der Graue Star, der aber in den meisten Fällen durch operative Eingriffe geheilt werden kann. Viele dieser notwendigen Operationen werden durch mobile augenheilkundliche Stationen ausgeführt. Einer großen Gruppe blinder Menschen kann jedoch auf diese Weise nicht geholfen werden, für sie ist ein Rehabilitations- und Ausbildungszentrum wie dieses dringend erforderlich.
Sabriye Tenberken führte viele Gespräche mit Eltern blinder Kinder, mit blinden Jugendlichen und Erwachsenen sowie mit lokalen Organisationen. Daraus entstand im Sommer 1997 in Zusammenarbeit mit Vertretern offizieller tibetisch-chinesischer Behörden der Plan zur Gründung einer Blindenschule als Beginn des Blinden-Zentrums Tibet.
Start des Blinden-Zentrums Tibet mit einer Internatsschule für blinde Kinder in Lhasa
Im Mai 1998 eröffneten Sabriye Tenberken und der holländische Techniker Paul Kronenberg eine Vor-Schule für blinde Kinder. Sie fand zunächst Unterkunft in einem Schulkomplex außerhalb von Lhasa. Sechs blinde und stark sehgeschädigte Kinder zwischen 6 und 12 Jahren wurden aus verschiedenen Regionen Tibets nach Lhasa geholt. Sie kamen mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Sie waren entweder gut oder kaum in die Dorfgemeinschaft integriert, was sich stark auf ihr Verhalten und ihren Entwicklungsstand auswirkte. Einer der damals 10-jährigen Jungen war unternehmungslustig und seiner Umwelt gegenüber sehr aufgeschlossen. Er kümmerte sich hilfsbereit und umsichtig auch um seine Mitschüler. In seinem Heimatdorf war er Viehhirt. Ein anderer 12-jähriger dagegen hatte bei seiner Ankunft autistische Züge. Er war in seiner Entwicklung etwa einem 4-jährigen Kind vergleichbar. Dieser Junge wurde in seinem Heimatdorf in einem dunklen Raum angetroffen, in dem er sich offenbar hauptsächlich aufzuhalten hatte.
Bis auf 2 Kinder, die erst mit 8 und 9 Jahren erblindeten, hatte keines der anderen eine Schule besucht. Gemeinsam aber lebten sie sich schnell ein. Die meisten Kinder der ersten Generation arbeiten jetzt mit den inhaltlich identischen, aber in Braille gedruckten Büchern der fünften Klasse einer staatlichen Grundschule. Sie werden bald in die Schulen ihrer Heimatdörfer integriert.
Zur Zeit werden 29 Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterrichtet.






